Guter Sex …

warum der guter Sex ein bisschen egoistisch sein darf

Beobachte eine Katze, die Nähe sucht. Sie kommt, wann sie will. Sie umschmeichelt unser Bein, macht ein sinnliches Kontaktangebot, legt sich genau so hin, wie es ihr bequem ist und will gestreichelt – berührt werden. Sie schmiegt sich so, dass du die richtige Stelle erwischst, die ihr gerade gut tut und genießt so lange, bis sie genug hat und einfach geht. Und wir? Freuen uns über den Kontakt, finden das hinreißend. Irgendwie sexy sogar.

Niemand würde einer Katze vorwerfen, sie sei egoistisch oder selbstbezogen. Wir bewundern, wie selbstverständlich sie für sich sorgt.


Kein schlechtes Gewissen: „Darf ich jetzt einfach gehen? Was denkt er/sie? Hab ich Dich verletzt? Darf ich um die nächsten Beine schleichen oder ich ich promisk?“

Das ist ja mal richtig freie Selbstfürsorge von der wir ein bisschen lernen könnten. 

Die Falle des Pleasens

Viele denken guter Sex heißt: dem anderen gefallen. Herausfinden, was er oder sie mag, und es dann richtig machen. Klingt liebevoll. Ist aber oft purer Stress und langweilig und anstrengend. Woher soll ich denn wissen, was Dir gefällt. Oder lenk ich mich ab, weil ich selbst unsicher bin und nicht genau weiß, was dir gefällt. Also bin ich angespannt, beobachte dich, rate, hoffe, dass es passt. Und du? Du spürst meinen Anspannung und hast plötzlich den Druck, dass dir gefallen muss, was ich da gerade mit dir mache. Du willst mich nicht enttäuschen.

Am Ende sind zwei Menschen damit beschäftigt, einander zufriedenzustellen, und keiner ist wirklich bei sich. Das frustriert beide.

Jeder sorgt für sich – dann ist für alle gut gesorgt

Statt mit pleasen oder Leistung beschäftigt zu sein, etwas mehr guten konsensuellen Egoismus erlauben im Sinne:
Das ist kein Freibrief für Rücksichtslosigkeit. Es braucht ein klares Commitment:

„Selbstverständlich achten bir beide unsere Grenzen. Wenn Du etwas nicht magst, sagst Du es mir und umgekehrt. Und wir dürfen beide geniessen und machen, was uns Spaß ohne dauernd überlegen zu müssen, ob das passt. Ich vertraue drauf, dass Du Dich meldest. Okay?

Der beste Sex entsteht, wenn jede*r für sich selbst sorgt. Ich schaue, dass es mir gut geht. Du schaust, dass es dir gut geht. Und dann geht es uns beiden gut.

Innerhalb dieses Rahmens darf ich mich entspannen, vertrauen. Ich muss nicht ständig deine Reaktionen lesen und mich fragen, ob ich alles richtig mache. Ich darf mir nehmen, was mir guttut. Ich vertraue darauf, dass du dasselbe tust und mir sagst, wenn du etwas anderes brauchst.

Warum das so befreiend ist

Wenn du für dich selbst sorgst, muss ich nicht mehr Gedanken lesen. Ich bekomme ehrliche Signale statt höflicher Zustimmung. Und dein Genuss ist echt, weil du ihn dir selbst holst.

Genau das macht die Katze so anziehend: Sie ist vollkommen bei sich. Und gerade diese Präsenz lädt uns ein, auch bei uns zu sein.

Also: Sei mir Katze.